Zwei Monate unterwegs im Kongo – ein Trip, den ich nie vergessen werde

0307IMG_8888web

Wenn ich Bekannten von meinen Reiseplänen erzählte, wusste eigentlich jeder irgendetwas zu berichten: “Die da unten sind zwar bettelarm, aber trotzdem mit sich und der Welt zufrieden”. Oder: “Wenn du denen fünf Kartoffeln gibst, essen die alle auf und wundern sich, warum sie am nächsten Tag immer noch Hunger haben”. Oder: ”Du bist ja lebensmüde, wenn du da deine falsche Bewegung machst, kriegst du sofort einen Gewehrlauf zwischen die Augen!”

Ich hab’s trotzdem getan. Zusammen mit meinem Reisepartner Lucien bin ich knapp zwei Monate durch das afrikanische Hinterland gestolpert, von Kinshasa bis in den Niederkongo, von Bandundu bis zum Schwarzwasser-See. Wir sind durch Schlamm gewatet. Wir haben Krokodilsfleisch gegessen, Beamte bestochen und die Savanne in Brand gesetzt. Wir haben vermählungswütigen Müttern und betrunkenen Polizisten die Stirn geboten, sind dafür aber vor einem Knödelrezept kapituliert. Und irgendwie haben wir es wieder lebend nach Deutschland geschafft. Davon will ich euch berichten.

Tag 1: Tagediebe im Bahnhofs-McDonald’s

berlinDas McDonald’s-Restaurant am Berliner Hauptbahnhof ist voll mit Drückebergern wie uns. An fast allen Tischen sieht man schlafende Gestalten, teilweise in bizarre Haltungen verkrümmt. Eine Frau hatte sich zum Schlafen vornüber in ihre offenen Hände fallen lassen. Sie sieht aus, als würde sie in ihre leere Los-Wochos-Burgerschachtel weinen. Lucien hat die theoretisch mögliche Gepäckobergrenze bis zum Maximum ausgereizt. Die Filiale ist zugestellt mit seinen gigantischen Dreißig-Kilo-Paketen, in denen Teile der Solaranlage schlummern. Zudem: hunderte von Zahnbürsten und Zahnpastatuben, die – ähnlich wie Kugelschreiber – als universelles Zahlungs- und Bestechungsmittel akzeptiert werden.

0307IMG_7844web

—   Gepäckwust, McDonald’s, Hauptbahnhof Berlin

Lucien bringt mir meine ersten Vokabeln in Lingála bei. Statt „Wie geht es dir?“ fragt man sein Gegenüber schlichtweg: „Welche Nachrichten?“ (sango nini?). Die übliche Antwort darauf lautet sango te – keine Nachrichten. Auch der Rest ist nicht wirklich schwer. makemba nani? makemba ya ngai! (wörtlich: Banane welche?“ -  „Banane von ich!“). Allerdings bin ich inzwischen zerknittert, gnatschig und nur noch begrenzt aufnahmebereit. Den Flug nach Brüssel verbringe ich in Autopilot-Modus. Die überlebenswichtigen Vitalfunktionen laufen weiter, alle weiteren Anforderungen aus der Reizumwelt erlebe ich als Zumutung. Ich sehne mich nach Zahnbürste, Dusche und Bett. Tsss, wenn das jetzt schon anfängt mit den Erste-Welt-Problemen!

Tag 2: Plötzlich das Alphabet vergessen

 —   Sahara, Blick aus dem Flugzeugfenster

—   Sahara, Blick aus dem Flugzeugfenster


Was für ein Höllenflug! Die Maschine ist riesig. kinshasaIch sehe schwarze Frauen in bunten Gewändern, vereinzelt Touristen und mehrere Pharmalobbyisten, die allesamt die T-Shirts ihres Konzerns tragen. Mehrmals geraten wir mitten in eine Gewitterwolke, es blitzt von allen Seiten und wir werden heftig durcheinandergeschüttelt. Ich verbringe den Flug mit einem Intensivkurs in Lingála, von dem jedoch nur wenig hängen bleibt.

Wenn man von Lucien eines lernen kann, dann ist es Hartnäckigkeit. Woauchimmer sich Hindernisse und Schranken auftun – Lucien wird mit den Verantwortlichen bis aufs Messer diskutieren, bis sie schlussendlich nachgeben und er seinen Willen durchsetzt. Auf Reisen ist diese Fähigkeit Gold wert. Das Gepäckfräulein überzeugt er, die viel zu schweren Koffer anzunehmen, und der Stewardess leiert er ein zweites Mittagessen aus dem Kreuz. Wenn wir doch nach über zehn Stunden Flug übermüdet, klebrig und verschwitzt am Flughafen in Kinshasa ankommen und feststellen, dass unser Gepäck noch irgendwo in Brüssel rumsteht und frühestens Freitag oder Samstag in Kinshasa eintrifft, dann hilft auch maximale Unnachgiebigkeit nicht weiter. Wir fügen uns unserem Schicksal, füllen brav die Ich-vermisse-all-mein-Hab-und-Gut-Formulare aus und trotten von dannen.

Mit seiner Nichte Sarah brausen wir quer durch Kinshasa. Vor der Reise konnte ich mir partout nicht vorstellen, wie diese Stadt wohl aussehen könnte. Mein erster Gedanke war jedoch: Hey, wir sind auf einem Festival! Die Straßen sind unbefestigt, holprig und schlammig, überall stehen kleine, bunt bemalte Hütten herum, und die Leute an den Straßenrändern tanzen. Nach einer Stunde Fahrt kommen wir bei Luciens Schwester Blandine an. Da es in Kinshasa nicht genügend Strom für alle gibt, wird den Vierteln reihum der Saft abgedreht. Gerade ist auch das Viertel unserer Gastgeberin betroffen. Im Stockdunkeln werden wir von Blandine und ihren Kindern umzingelt, mir werden von überall her Blumensträuße als Begrüßungsgeschenke gereicht. Ich bin völlig perplex, weiß nicht, was ich tun oder sagen soll, würde am liebsten vor Scham im Boden versinken. Wir gehen ins Esszimmer, und mir wird der Ehrenplatz am Tischende zugewiesen. Alle reden in einer unbekümmerten Mischung aus Französisch und Lingála durcheinander, und ich verstehe weder das eine noch das andere. Lucien spielt tapfer den Dolmetscher für mich, nichtsdestotrotz sitze ich einfach nur wie ein Idiot da und habe plötzlich das Alphabet vergessen. Ich kriege keinen zusammenhängenden Satz zustande und schäme mich dafür, dass ich mich nicht besser vorbereitet habe. Ich fange an zu glühen, teils wegen der unerträglichen Hitze, teils wegen meinem völligen Unvermögen, mich meiner Außenwelt mitzuteilen. Es gibt gebratenen Fisch mit Fufu, es schmeckt fantastisch, der Tisch ist mit Blumengedecken überhäuft, und ich sitze einfach nur da und es hat mir die Sprache verschlagen. Ich kapituliere.

Tag 3 bis 5

Mein Laptop-Akku ist fast leer. Das Ladekabel ist im Gepäck. Und das steht streikbedingt noch immer in Brüssel. Ich schreibe später weiter.

Tag 6: Schwule, Crimpzangen, Obama

kinshasaEndlich ist unser Gepäck angekommen! In der Zwischenzeit habe ich so viel erlebt, dass es mir schier unmöglich vorkommt, all die Eindrücke halbwegs geordnet wiederzugeben. Allein das Stadtbild! Tatsächlich wirkt Kinshasa oft wie ein riesiges Festival, allerdings am Abreisetag. Überall wuseln Menschen umher und brüllen unverständliches Zeug, die Straßen sind vollgestopft mit ausrangierten VW-Bussen und es liegt massenweise Müll herum. Fast jedes Auto ist mit Beulen und Schrammen übersät, häufig sind die kaputten Fenster durch Plastikfolie ersetzt. Die meisten Geschäfte sind in kleinen Betonhütten untergebracht und ausnahmslos handbemalt. Die häufigsten Motive: die Logos westlicher Industriemarken, religiöse Symbole[1] und das Konterfei von Obama. Die Kongolesen lieben den US-amerikanischen Präsidenten über alles. Selbst beim Obsthändler kriegen wir die Bananen in eine Tüte mit der Aufschrift „Barack Obama – The first black president of USA!!!“ gepackt.

0307IMG_8002web0307IMG_8008web

0307IMG_7971web

—   Kinshasa, notdürftig aus dem Auto heraus fotografiert

Kinshasa in einem Satz: Selbst die profansten Kleinigkeiten können sich zu einem verwegenen Abenteuer mit ungewissem Ausgang entwickeln. Den heutigen Tag haben wir beispielsweise ausschließlich mit dem Versuch zugebracht, eine handelsübliche Zange zu besorgen, die für die Installation der Solarmodule brauchen. Wir stehen um acht Uhr morgens auf und brausen mit zwei ortskundigen Fahrern aus einem katholischen Kloster in einem Pickup-Truck quer durch die Stadt zum grand marché. Ohne einen Geländewagen ist das Vorankommen in der Stadt nur schwer möglich, denn die Straßen sind unbefestigt und voller Löcher. Die einzige Ausnahme ist eine große Autobahn mitten durch die Innenstadt, die im Auftrag des Staates von chinesischen Straßenbauern errichtet wurde. Auf dem Weg zum Großen Markt wird viel gewartet, gehupt und gebrüllt. Endlich angekommen, stolpern wir quer über den Markt, bis wir nach langem Suchen in einen Bereich kommen, in der hauptsächlich Schraubenzieher, Kabel und ähnliches feilgeboten werden. Unser Fahrer beschreibt präzise, welche Art von Zange benötigt wird, eine sogenannte Crimpzange, mit deren Hilfe zwei abisolierte Kabelenden miteinander verknüpft werden können. Der Händler nickt eifrig, verschwindet kurz und kommt dann mit einem Satz Gardinenclips zurück. Es kommt zu einem Streit, die beiden gestikulieren wild und brüllen sich an. Wir ziehen weiter, durchkämmen erfolglos die übrigen Geschäfte und treten irgendwann unverrichteter Dinge unseren Heimweg an. Beim Auto angekommen, stellen wir fest, dass der Wagen im Parkverbot stand und um ein Haar abgeschleppt worden wäre, hätte unser Aufpasser die Polizei nicht mit zehn US-Dollar geschmiert. Enttäuscht fahren wir nach Hause. Unterwegs nehmen wir per Anhalter einen uniformierten Polizisten mit. Da im Wagen kein Platz mehr ist, hält er sich am Wagenäußeren fest, und so brausen wir quer über die Autobahn. Ich stelle mir vor, diese Szene würde sich in Greifswald abspielen und muss grinsen.

—   Irgendwann haben wir dann doch noch eine bekommen

Meine Gastfamilie, das sind Blandine (eine herzensgute und stets um mein Wohl besorgte Mutti), die vierzehnjährigen Zwillinge Benedicte und Vanessa, Olivier (auch er geht zur Schule) und zwei Sarahs, von denen die eine ebenfalls noch zur Schule geht und die andere in Kinshasa Biologie studiert. Ich komme mit der Familie gut zurecht, insbesondere mit den Zwillingen unterhalte ich mich oft und lasse mir von ihnen mein Kauderwelsch-Französisch aufbessern. Die Kinder sind furchtbar neugierig; mehrmals am Tag müssen Lucien oder ich antreten und irgendetwas erklären: osmotische Prozesse, das WG-Leben in Greifswald, Microsoft Word, Grenzwertberechnungen und das freudsche Unterbewusstsein. Ich bin stolz darauf, was ich mit meinen begrenzten Sprachkenntnissen alles bewerkstelligen kann. Auch mein Lingála verbessert von Tag zu Tag. Es ist eine blumige und klangvolle Sprache, in der sich vermutlich wunderschöne Liebesbriefe verfassen ließen. Der Klang mutet zuweilen ein wenig japanisch an, und die Grammatik erinnert mich an Ivrit. Es gibt beispielsweise relativ wenige Wortstämme, die dann über Präfixe und Suffixe in ihrer Bedeutung abgewandelt werden können. Auch Figura Etymologica (z.B. Leiden leiden, Essen essen usw.) sind weit verbreitet.

  —   Eimerdusche

—   Eimerdusche

Wir wohnen in einem größeren Einfamilienhaus, etwa von der Art, wie man sie in Südeuropa vorfindet[2]. Lucien und ich haben ein Zimmer ganz für uns, sogar mit eigener Badewanne. Es gibt allerdings kein fließendes Wasser. Zum Duschen schöpfe ich deswegen Wasser mit einer Tasse aus einem Eimer und übergieße mich so oft, bis ich wieder sauber bin. Das funktioniert fantastisch, hält aber nur kurz an. Meistens habe ich schon wenige Minuten nach der Waschprozedur das Gefühl, dringend duschen zu müssen. Nun ja: Ein Mann muss auch mal nach Mann riechen dürfen. Das tu ich hier zu Genüge.

Am Abendbrottisch gibt es eine hitzige Diskussion. Wir erzählen, dass es an den Stränden in Deutschland abgegrenzte Gebiete gebe, in denen Nacktbaden erlaubt sei. Die Kinder schütteln mit dem Kopf. Frauen und Männer, nackt, zusammen am Strand? So etwas kann es nicht geben! Im Kongo wäre schon eine Frau im Bikini ein Skandal, FKK-Strände sind hingegen unvorstellbar. Irgendwann kommen wir zufällig auf Homosexualität zu sprechen, und von diesem Punkt an ist die Hölle los. Lucien erzählt, dass eine Freundin von ihm lesbisch ist, und die ganze Familie schaut ihn entgeistert an. Eine Frau, die mit einer anderen Frau zusammen ist? Wie nennt man das dann überhaupt? Ein Paar? Aber das ist doch kein Paar, ein Paar besteht doch immer aus Frau und Mann! Gott will doch, dass Mann und Frau heiraten und Kinder kriegen! Die Familie ist sich einig, dass Homosexuelle krank sind und bestraft gehören. Ich sei doch Psychologe, meint Sarah – könne ich die Schwulen nicht irgendwie von ihrer Krankheit heilen? Lucien bleibt tapfer und versucht es mit Argumenten – etwa fünf Prozent aller Menschen seien homosexuell (die Kinder schreien auf und hauen auf den Tisch), Homosexualität ist vermutlich genetisch bedingt und keine Frage der Erziehung (energisches Kopfschütteln), wir müssen tolerant sein gegenüber anderen Lebensweisen („Toleranz schön und gut, aber es muss Grenzen geben!“). Alle sind sich einig: Erwachsene sind doch Vorbilder für die kommende Generation. Wenn wir in Deutschland also die Homo-Ehe einführen würden, würden die Homosexuellen immer mehr werden, bis wir irgendwann vollends aussterben würden. Als Vanessa von Lucien gefragt wird, was sie machen würde, wenn ihre Tochter homosexuell sei,  schreit sie: „jamais! jamais!“, niemals würde das passieren! Lucien erzählt, dass in Uganda gerade die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen eingeführt wurde, und die Kinder johlen: Ja genau, so sollte man das machen! Ihr Europäer seid doch alle krank im Kopf, meint Olivier.

0307IMG_8555web

—   Hausaltar, geschmückt mit Glitzergirlanden


 

Religion spielt im Kongo eine große Rolle. Meine Gastfamilie ist streng katholisch, vor jedem Essen wird gebetet. Von den Kindern wurde ich auch gleich darauf angesprochen, warum ich mich vor den Mahlzeiten nicht bekreuzige. Auf die Frage, ob ich auch katholisch sei, antwortet Lucien schnell an meiner statt „un peu“ – ein bisschen. Nicht, dass es zu Anfeindungen führen würde, wenn ich erzählen würde, dass ich nicht an Gott glaube – es würde einfach niemand verstehen, was ich damit meine. Auch der Glaube an Geister, an Magie und Hexerei ist weit verbreitet. Wenn ein Vater seine Tochter vergewaltigt, heißt es, er sei von Dämonen verzaubert worden, erzählt Lucien. Und wenn sich bei der Geburt Komplikationen ergeben, muss die werdende Mutter sämtliche Männer aufzählen, mit denen sie jemals geschlafen hat, erst dann kann sie ihr Kind zur Welt bringen. Wenn sie bei der Geburt stirbt, hat sie wohl nicht die volle Wahrheit erzählt. Lucien zieht seine Schwester Blandine häufig mit ihrem animistischen Glauben auf – „Iss nicht so viel Scharfes, sonst bekommst du eine Magenverstimmung und sagst, dass du verzaubert wurdest!“

Kinshasa ist voll mit Freikirchen. Von frühmorgens bis spät in die Nacht dringen von allen Seiten die Stimmen der Prediger und die Gesänge der Gläubigen in unsere Ohren. Lucien erzählt, ein Großteil Glaubensgemeinschaften seien üble Sekten mit dem einzigen Ziel, ihren Anhängern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer den Kirchen eine entsprechende Summe hinterlässt, wird von seinen Sünden freigesprochen. Die an sich schon bettelarmen Kongolesen würden ihr letztes Geld zu den Predigern schaffen und hätten dann nicht mehr genügend Geld, sich und ihren Familien Essen zu kaufen, während die Prediger immer reicher und reicher werden würden. Nachts werde ich oft von den mit Keyboardklängen unterlegten Gesängen und den stimmgewaltigen Predigten aus dem Schlaf gerissen und liege dann lang wach und lausche.

 


[1] überhaupt muss der liebe Gott oft als Namensgeber für die Geschäfte herhalten. „Die Gnade Jesu“, oder „Die Hand Gottes“ sind hier völlig normale Bezeichnungen für einen Herrenfriseur oder ein Internetcafé.

[2] Eher unüblich für Kinshasa. Es handelte sich um ein Geschenk der amerikanischen Firma, für die der Mann von Luciens Schwester arbeitete.

Tag 7: Olga, ein ganzer Kerl

kinshasaOft sind es die kleinen Details, die mir hier das Gefühl geben, in einer anderen Welt zu sein. Morgens kräht der Hahn, aber er kräht anders. Es ist kein Kikeriki, sondern ein dumpfer Gurgellaut, der mich jedes Mal aufs Neue verstört. Irgendjemand hat den Mond verkehrtherum am Himmel aufgehängt. Fanta schmeckt hier völlig anders, eher nach aufgelöster Vitamin-C-Brausetablette als nach Orangenlimonade. Und der Straßenverkehr! Die Autos fahren hier zwar auf der rechten Straßenseite, nichtsdestotrotz hat die Hälfte der Autos das Steuer rechts, was aber von niemandem als großes Hindernis betrachtet wird. Als Busse dienen zumeist ausrangierte Kleintransporter aus Deutschland, mit Aufschriften wie „Elektro-Reichelt – Ihr starker Partner aus Memmingen“ oder „CARITAS Behinderten-Transport“, in denen dann ohne Weiteres mehr als zwanzig Kongolesen Platz finden. Und wenn im Wagen kein Platz ist, hängt man sich eben an die Wagentüren. In Kinshasa nennt man diese Art Bus auch L’esprit de mort.

Vor ein paar Tagen waren wir im lola ya bonobo („Bonobo-Paradies“), einem wunderbaren Affen-Wildpark etwas abseits der Stadt. Es war regelrechte Oase im Gegensatz zum dreckigen und lauten Kinshasa. Die Bonobos selbst hielten sich übrigens streng an ihr Motto: „Make love, not war!“. Nach jeder noch so kleinen Streitigkeit, und sei es auch nur um eine Banane, gab es ein paar Sekunden Versöhnungssex, und zwar geschlechtsunabhängig.

0307IMG_7887web0307IMG_7955web

  —   Im "lola ya bonobo"

—   Im “lola ya bonobo”

Wir hatten einen Chauffeur, der uns in die Nähe des Wildparks fuhr. Es war ein stämmiger, junger Kongolese. Zum Schutz gegen die Sonne hatte er eine Fischermütze auf, unter die er sich rechts und links zwei Lappen geschoben hatte, die seine Ohren bedeckten. Er hieß Olga. Das sei der Name der Hebamme seiner Mutter gewesen, erzählt er. Und da diese so nett gewesen sei, habe sich seine Mutter entschlossen, das Kind nach ihr zu benennen – egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.

Tag 8: Mondele, Mondele!

kinshasaFirst world problems: Als Weißer falle ich überall sofort auf, ob ich will oder nicht. Wo ich auch hinkomme, das Geschehen verändert sich allein durch meine Anwesenheit. Manchmal würde ich das Treiben in der Stadt gern beobachten, ohne dabei so viel Bohei auszulösen, aber mit meiner hellen Haut bin ich hier sofort eine Kuriosität. „mondele, mondele!“ (ein Weißer, ein Weißer!), schreien die Kinder, wenn wir mit unserem Geländewagen durch die Dörfer rauschen. Irgendwie ist das ja auch verständlich.

0307IMG_7854web

—   Doppelter Preis, sobald ich dabei bin

Wenn etwas eingekauft werden soll, bleibe ich lieber im Wagen, da die Händler die Preise prompt verdoppeln, wenn sie mich, den reichen Europäer, sehen. Die katholischen Ordensschwestern, die wir von Zeit zu Zeit besuchen, haben es ebenfalls auf mich abgesehen – sie streicheln mich ständig am Arm und überhäufen mich mit Komplimenten, bis ich rot anlaufe. Gestern Abend sind wir durch das Viertel gegangen, als plötzlich zwei dreizehnjährige Mädchen auf mich aufmerksam wurden. Sie lächelten verschämt und begrüßten mich: „Bonjour, Monsieur le Blanc!“. Als ich ein Stück weitergegangen war, tuschelten sie sich zu: „Oh, il est beau!“. Lucien erzählte, dass die beiden am nächsten Abend an derselben Stelle warteten und darauf hofften, mir vielleicht noch einmal zu begegnen.

Tag 9: Giftschlangen und Batteriesäure

kinshasaIn Sachen Coolness macht den hiesigen katholischen Mönchen kaum einer was vor, wenn sie sonnenbebrillt in ihrem blitzenden Toyota Landcruiser sitzen, in einem Affentempo durch Kinshasa heizen und sich dabei den Weg freihupen. Heute sind wir zusammen mit ihnen zu einem kleineren Kloster abseits der Stadt gefahren, um dort eine Photovoltaikanalage zu installieren. Es wurde viel geschraubt, geschwitzt und diskutiert. Als irgendwann der Schaltkreis fertig installiert war und unsere testweise angeschlossene Glühbirne leuchtete, applaudierten wir und fielen uns in die Arme.

0307IMG_8100web0307IMG_8062web0307IMG_8085web0307IMG_8090web

Die Methode der Ordensbrüder, um zu testen, ob das hier auch wirklich der Schwefelsäurekanister zur Befüllung der Batterien ist: Finger in den Kanister stecken und dann mit der Zungenspitze vorsichtig kosten. Neben Batteriesäure gab es heute auch ein wenig Alkohol. Zum einen kongolesisches Bier[1], zum anderen masanga ya mbila, eine Art Palmenmost, der äußerst süß, bitter und sauer schmeckt, alles zur gleichen Zeit. Serviert wird das Getränk zusammen mit einem Stück Wurzel. Das helfe gegen Malaria, erzählen die Mönche.

Beim Telefonieren sah Lucien heute eine Schlange, eine unscheinbare kleine Giftschlange, die sich neben ihm im Gras schlängelte. Sofort wurde einer der Gärtner herbeigerufen, der die Schlange mit mehreren Beilhieben erlegte. Seitdem sind wir alle ein wenig schlangenängstlich und erschrecken beim kleinsten Rascheln im Gras. Meistens ist es dann nur ein Huhn oder ein niedlicher kleiner Gecko. Aber könnte es nicht doch…?

Mönche beim "masanga ya mbila"-Trinken im Garten

—   Mönche beim “masanga ya mbila”-Trinken im Garten

0307IMG_8029web  —   "njoka, njoka!"0307IMG_8019web

 


[1] beliebte Marken sind unter anderem PRIMUS, MÜTZIG und SKOL. Die schmecken tatsächlich ziemlich gut. Laut Lucien ist der Vertrieb von Bier das Einzige, was im Kongo wirklich reibungslos funktioniert.

 

Tag 10: la motivation

0307IMG_8010webkinshasaAuf dem Weg durch die Stadt werden wir von einer Gruppe Polizisten, vielleicht sechs oder sieben an der Zahl, angehalten. Lucien steigt aus und diskutiert mit ihnen, bald muss auch der Fahrer aussteigen, und es kommt zu immer heftigeren Wortwechseln. Auf der Straße kommt es zu einem kleineren Menschenauflauf, Händler und Passanten bleiben stehen, und auch die Zahl der Polizisten wächst und wächst. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Nach einer Viertelstunde scheint der Streit geschlichtet zu sein – alle steigen wieder ein und wir setzen unseren Weg fort. Was hatten wir falsch gemacht? Wir seien auf der falschen Spur gefahren, so die ursprüngliche Begründung[1]. Später hieß es dann: Die Kabelhüllen, die wir transportieren, gefährden den Straßenverkehr. Irgendwann rückten die Polizisten mit dem wahren Grund für ihre „Verkehrskontrolle“ raus: Sie hatten alle schrecklichen Durst und wollten ein wenig Geld haben, damit sich jeder von ihnen eine Coca-Cola kaufen könnte. Da keiner von uns Geld dabei hatte, wurden die Handynummern ausgetauscht – ein späterer Zeitpunkt sei auch in Ordnung. Schmieren Sie jetzt, bezahlen Sie später!



[1] Im Angesicht des allgemeinen Tohuwabohus auf den Straßen zieht diese Anschuldigung jedoch nicht so richtig. Das mussten selbst die Polizisten einsehen.

Tag 11: Etwas Westliches. Irgendetwas.

kinshasaIm Krankenhaus besuchen wir einen Ordensbruder, der an Lungenkrebs erkrankt ist. Er sieht völlig abgemagert aus. Bei einer Operation hatte er sich eine Infektion zugezogen und wird vermutlich bald sterben, was alle außer ihm selbst zu wissen scheinen. Der Zustand des Krankenhauses ist unbeschreiblich: Das Gebäude ist heruntergekommen, einmal sehe ich sogar eine Operation, die gibt einer spanischen Wand im Freien stattfindet. Spender für Desinfektionsmittel gab es nirgendwo. Die Behandlung ist selbstverständlich kostenpflichtig, wobei auch hier das kongolesische Prinzip la motivation gilt – für Serviceleistungen der Pfleger, z.B. das Verlegen einer Flexüle, muss direkt bezahlt werden. Eine Krankenhausküche existiert nicht, die Patienten sind angehalten, sich ihr Essen selbst mitzubringen. Das Zimmer des Ordensbruders ist mit Saftpackungen und Mandarinen vollgestellt. Und auch um die Medizin muss er sich selbst kümmern: von den Ärzten bekam er eine Liste mit den zur Chemotherapie benötigten Medikamenten überreicht, für die Beschaffung ist der Patient selbst zuständig. Wir fragen den Ordensbruder, ob wir irgendetwas für ihn tun können. Hähnchen, meint er. Er würde so gern Hähnchen essen.

Danach waren im Ministerium und haben versucht, einen Termin mit dem Minister zu vereinbaren, um unsere Genehmigung für das Fischereiprojekt verlängern zu lassen. Der ist jedoch bis nächsten Dienstag auf einer wichtigen Dienstreise ist, wir hängen also auf unbestimmte Zeit in Kinshasa fest. Anschließend ging es wieder ins Kloster, wo wir weiter an der Installation der Solaranlage arbeiteten. Auf dem Dachboden verlegen wir die Leitungen für das Kloster, wobei ich der brütenden Hitze, die unter dem Wellblechdach herrscht, tapfer trotze. Eine denkbar schlechte Geschäftsidee: Sauna-Monteur in Kinshasa.

  —   Stromausfall, mal wieder. Meine Gastmutter Blandine kocht direkt über dem Feuer

—   Stromausfall, mal wieder. Meine Gastmutter Blandine kocht direkt über dem Feuer

Es gibt seit vier Tagen keinen Strom mehr, seit zwei Tagen kein Wasser[1]. Zu jeder noch so unchristlichen Tageszeit schallen die zornigen Predigten der umliegenden Sekten durch die Straßen (selbstverständlich mikrofonverstärkt, ausgerechnet die haben anscheinend immer Strom). Die Prediger hören sich allesamt so an wie Jules in Pulp Fiction, wenn er den Todgeweihten sein vermeintliches Bibelzitat um die Ohren knallt. Und das mehrere Stunden am Stück. Nichtsdestotrotz fühle ich mich gerade ziemlich wohl in Kinshasa, auch wenn ich von Zeit zu Zeit eine starke Sehnsucht nach „irgendwas Westlichem“ empfinde. Die gestrige Flasche Coca-Cola war für mich jedenfalls eine willkommene Abwechslung zu abgekochtem Wasser und zum Zitronengrastee.

0307IMG_8332web

—   Beim Maniokstampfen

Kriege ich hier eigentlich genügend zu essen? Nachdem ich Blandine im Scherz erzählt habe, dass meine Freundin befürchtet, mich nach meiner Kongoreise völlig abgemagert zu empfangen, hat sie es sich zur persönlichen Pflicht gemacht, mich dem kongolesischen Schönheitsideal entsprechend zu mästen. Das Essen ist für europäische Verhältnisse etwas einseitig, dafür aber ausgesprochen köstlich. Jeden Tag gibt Fisch oder Hähnchen, dazu makemba (frittierte Kochbananen), misili (schmeckt ein wenig nach Schwarzwurz) oder bitekuteku (völlig unidentifizierbar). Aus den Blättern der Maniokpflanze wird pondu, ein spinatähnliches Gemüse, gewonnen; die Knollen werden zu wuchtigen Klößen namens fufu verarbeitet – oder, wenn man weniger Glück hat, zu kuanga. Letzteres erinnert ein wenig an einen überdimensionierten Radiergummi und lässt sich geschmacklich mit der von Roald Dahl beschriebenen Kotzgurke vergleichen. Dass Kongolesen ständig Stockfisch essen, halte ich indes für eine Legende.

0307IMG_8933web

—   pondu, ein spinatähnliches Gemüse aus gestampften Maniokblättern

 

0307IMG_8928web

—   fufu, Knödel aus Maisstärke und dem Mehl der Maniokwurzel

 


[1] Abgefülltes Wasser zum Trinken gibt es natürlich nach wie vor im Laden um die Ecke. Aber ich könnte mal wieder eine Dusche vertragen.

Tag 12 und 13

0307IMG_8740web

—   Seit sechs Tagen kein Strom mehr. Wir essen im Dunkeln bei Taschenlampenschein und gehen früh ins Bett. Tagebuch gibt’s später wieder.

Tag 14: Verhandlungen mit der Regierung

kinshasaSo langsam nervt Kinshasa. Eigentlich wollten wir schon vor Tagen in die schöneren Teile des Landes aufbrechen, stattdessen sitzen wir hier fest und warten. Die Stadt brodelt wie ein gigantischer Suppentopf kurz vor dem Überkochen, und wir schwappen recht ziellos hin uns her.  Inzwischen kann ich Lucien ganz gut verstehen, wenn er sagt, er hasse die Stadt und wolle sie so schnell wie möglich hinter sich lassen. So schnell lässt uns Kinshasa allerdings nicht aus ihren Fängen. Wir warten noch immer auf ein Gespräch mit dem Minister für Landwirtschaft und Fischerei. Von dem brauchen wir eine Art Genehmigung für unser geplantes Fischereiprojekt am Mai-Ndombe-See, und, was viel wichtiger ist, wir benötigen Materialien im Wert von 20.000 Euro – Netze, Kühltruhen, Zubehör, all so etwas eben. Aus den Entwicklungshilfe-Töpfen der EU werden dem Kongo derartige Dinge gratis zur Verfügung gestellt, um so das Fischereiwesen zu fördern. Die Aufgabe, diese Materialien gerecht zu verteilen, obliegt wiederum der Regierung, die das Zeug nach Gutdünken verschachert, hauptsächlich an private Abnehmer. Es ist völlig unklar, wie viel davon überhaupt noch im Kongo ist.

Der zuständige Vertreter des Ministers geht den Vertragsentwurf durch und zeigt sich dem Projekt gegenüber recht aufgeschlossen, dann wird er plötzlich stutzig. Viertausend Dollar? Als Gegenleistung für diese Materialen würde die Regierung pro Jahr nur viertausend Dollar erhalten? Um sicherzustellen, dass er uns richtig verstanden hat, schreibt er die Zahl auf einen Zettel. Das ist wenig, sagt er, fast mitleidig. Andere Vertragspartner würden der Regierung zigtausende Dollar bieten. Das Projekt finde er ja gut, aber müsse es unbedingt in der Region Mai-Ndombe sein? Wenn wir das Projekt im Osten des Landes durchführen würden (aus dem sowohl er als auch sein Vorgesetzter stammt), würde er ja sofort ja sagen, aber dort? Die Provinz wird von der Regierung als mehr oder weniger „dunkles Gebiet“ angesehen. Da der gegenwärtig amtierende Präsident dort bei der letzten Wahl nur sehr wenige Unterstützer fand, gilt die Region als nicht sonderlich förderungswürdig. Er ruft uns an, meint er.

Auf dem Rückweg sehen wir einen Polizeitransporter mit einem Sarg, umringt von einer Menschentraube. Der Abtransportierte, so wird uns erzählt, habe nur mal kurz pinkeln müssen – und hatte sich dafür die Mauer eines reichen Anwesens ausgesucht. Die Wachleute des Gebäudes wurden auf den Mann aufmerksam und prügelten so lang auf ihn ein, bis er tot war.

0307IMG_8489web

—   Das Haus meiner Gastfamilie in Kinshasa

Die Kinder wollen alles wissen: Welche Haarfarbe meine „Verlobte“ habe (das Konkubinat ist für sie ebenso unvorstellbar wie Homosexualität), wie die deutsche Nationalhymne klingt, ob ich „Gangnam Style“ kenne, was das für ein Band an meinem Arm ist, ob ich singen und tanzen kann, welche Haarpflegeprodukte ich benutze, wie ich mir den Riss in meiner Hose und die Narbe auf meiner Hand zugezogen habe und – das fand ich besonders schön – auf welcher Sprache ich träume. Oft kann ich ihre Fragen übersetzen, halte meine Übersetzung dann aber für so unwahrscheinlich, dass ich davon ausgehe, sie missverstanden zu haben. Beispielsweise habe ich ihnen erzählt, was ein Psychologe ist und was die so machen („Wir, ähm, probieren, das menschliche Verhalten und Erleben zu verstehen…“), woraufhin sie mich prompt fragten, wie viele Menschen ich denn schon verstanden hätte. Ich fühlte mich ertappt.

Tag 15: Auf in den Niederkongo!

0307IMG_8294web

matadiEndlich verlassen wir Kinshasa! In gewohnt waghalsigem Tempo fährt unser Reisebus über unzählige Serpentinenstraßen Richtung Westen, vorbei an den Stanley-Wasserfällen, an dessen Fuß sich die Handlung von Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“ abspielt. Es geht in den Niederkongo, wo sich vor vielen Jahrhunderten die ersten mondeles, die Bleichgesichter, niederließen. Zur Frage, warum die Weißen hier mondele genannt werden, gibt es eine hübsche Legende: Im Niederkongo lebte einst ein Albino mit dem Namen Mondele, der von allen geliebt wurde. Beim Baden ertrank der Mann im Großen Wasser, und die Trauer war groß. Einige Jahre später sichtete man auf dem Großen Wasser ein Schiff aus Europa, auf dessen Deck eine ebenso hellhäutige Gestalt zu sehen war. Die Einheimischen, die noch nie einen Weißen gesehen hatten, dachten, ihr geliebter Albinofreund sei auf magische Weise wiederauferstanden, und begrüßten den Neuankömmling mit dem Ruf: „mondele, mondele!“. Und da sich die Bezeichnung bis zum heutigen Tag gehalten hat, werde auch ich allerorts (zumindest in den ländlichen Regionen) mit diesem Ruf empfangen.

0307IMG_8305web

—   Auf dem Weg in den Niederkongo

Die Busfahrt verbringen wir mit gegenseitigem Sprachunterricht – Lucien bessert mein Lingála auf, und ich verrate ihm ein paar markige Ausdrücke in deutscher Sprache. Mein Reisepartner spricht ziemlich gutes Deutsch – wenn es um grammatische Feinheiten geht, kann ich oft noch von ihm lernen. Allerdings ist sein Wortschatz relativ „brav“. Im Krankenhaus wusste er einmal nicht mehr weiter, als ein Alkoholiker ihm erzählte, er sei seit drei Monaten trocken und hätte schon lang keinen Klaren mehr getrunken. Ich bringe ich ihm die eine oder andere Vokabel jenseits der Schriftsprache bei und bin plötzlich selbst ganz begeistert. Wortschatz für heute: brenzlig, Mumpitz, schwedische Gardinen, sich die Kante geben, Schnulze, Schinken, Russisch Roulette, Anstandswauwau, Zeche prellen, Klatsch und Tratsch, die Bullen, sich auf seinen Lorbeeren ausruhen.

0307IMG_8291webWir machen Rast in Matadi. Die Stadt liegt in dem kleinen Zipfel des Kongos, der sich frech durch Angola hindurch Richtung Meer mogelt. Hier ist es um Welten schöner als in der Großstadt – weniger Lärm, weniger Müll, weniger Gestank, überall grasige, grüne Hügel. Wir wohnen bei Luciens Cousine Christine, die in einem für kongolesische Verhältnisse ausgesprochen noblen Haus wohnt (sie arbeitet für eine ausländische Firma, die hier europäisches Mehl vertreibt). Von der kurvenreichen Fahrt ist mir noch immer schwindelig, und wir machen einen langen Spaziergang durch die Stadt. Unterwegs unterhalten wir uns mit einer Straßenhändlerin namens Mireille. Wie immer diskutiert Lucien viel, diesmal über Sex und Verhütung. Mireille ist achtundzwanzig, also nur ein paar Jahre älter als ich, und hat bereits vier Kinder. „Das reicht mir!“, sagt sie und lächelt uns zu. Zähne hat sie kaum noch.

An die Pille ist hier nicht zu denken, also müssen Mireille und ihr Mann Kondome benutzen, zumindest an den Tagen vor und nach dem Eisprung. Ob er da auch mitmache? Manchmal ja, manchmal nein, sagt sie und lächelt wieder. Kind Nummer vier war beispielsweise ein „manchmal nein“, ein Versehen. Während sie erzählt, wirft Kind Nummer drei gerade das Körbchen mit den Maggi-Spezialbrühwürfeln für Maniokkraut um. Mireille bückt sich und sammelt alles wieder ein.

Im Durchschnitt bringt jede kongolesische Frau 6,3 Kinder zur Welt, das Bevölkerungswachstum beträgt 3% pro Jahr. Für das Fischereiprojekt in Inongo ist derzeit vorgesehen, dass jede Familie maximal fünf Kinder über eine Art Familienversicherung mitversorgen kann. Für jedes weitere Kind muss ein kleiner zusätzlicher Beitrag abgegolten werden. Möglicherweise, so kommt mir in den Sinn, wäre ja aber auch eine restriktivere Lösung besser: beispielsweise die kostenlose Mitversicherung von bis zu drei Kindern, und jedes weitere kostet dann jeweils ein klein wenig mehr, sozusagen als „progressive Familienversicherung“? Diese Variante passt allerdings rein gar nicht zu meinem sonst eher liberalen Weltverständnis. Mir erscheint das ziemlich bevormundend – sollte nicht jeder Mensch selbst frei darüber entscheiden können, wie viele Kinder er bekommen möchte, ohne sich dabei Sorgen um deren medizinische Versorgung machen zu müssen?

Zumindest, so denke ich, sollte aber ein freier Zugang zu Verhütungsmitteln gewährleistet sein. Lucien sieht das prinzipiell auch so, meint allerdings, dass wir in diesem Punkt eventuell mit der Diözese Probleme bekommen könnten[1]. Und: Selbst, wenn Kondome für alle verfügbar wären, würden sie deswegen noch lang nicht genutzt werden. Wenn der Mann nicht will, dann will er eben nicht.

 


[1] Was Verhütung angeht, sind die hiesigen Ordensschwestern auch nicht päpstlicher als der Papst und sehen vieles wesentlich gelassener, als es vom Vatikan vorgesehen ist. Nichtsdestotrotz ist es für viele ein heikles Thema.

Tag 16: Zu Besuch in Boma

0307IMG_8166web

—   “Stanleys Baobab”

bomaFür heute steht uns ein privater Chauffeur zur Verfügung, mit dem wir quer durch die Pampa brausen. Es geht nach Boma, einer Hafenstadt an der kongolesischen Atlantikküste.
Es ist wunderschön hier im Niederkongo, nur sollte man die Straßen mal bügeln. Mal bremst unser Fahrer vor den Schlaglöchern abrupt ab (mich drückt es nach vorn, mal weicht er seitlich aus (mich klebe an der Scheibe), mal brettert er einfach drüber (ich werde durchgeschüttelt). Ich habe gut und reichhaltig gefrühstückt, doch nun bereue ich jeden einzelnen Bissen, der brownsche-teilchenbewegungs-artig durch meine Innereien geschleudert wird. Schon beim Aufschreiben wird mir wieder schlecht, weswegen dieser Text auch recht unvermittelt endet.

0307IMG_8178web

—   Im Inneren des Affenbrotbaums

 

0307IMG_8199web

—   Grill-Äffchen, gesehen an einem Marktstand in Boma. Diesmal habe ich nicht gekostet

Tag 17: Mbanza-Ngungu

mbanza-ngunguDer dritte Tag unseres Niederkongo-Ausflugs. Heute geht es nach Mbanza-Ngungu. Das ist Kikongo und bedeutet so viel wie „Ngungu-Stadt“. Wir sind hier, um uns mit einer lokalen Initiative vertraut zu machen, die hier selbst ein Entwicklungshilfeprojekt auf die Beine stellen will und dazu unsere Hilfe braucht, etwa bei der Beantragung von deutschen Fördergeldern. Das große Problem des Niederkongos ist Wasser. Gerade in den dörflichen Regionen muss man oft sehr weit laufen, um an sauberes Wasser zu kommen. Deswegen will die Initiative das Geld auftreiben, um in den umliegenden Dörfern sieben Quellen auszubauen. Mir ist das Projekt recht sympathisch, allerdings bin ich mir noch nicht sicher, wie realistisch das Vorhaben ist. Beispielsweise gab es schon einmal ein ähnliches Quellen-Projekt einer ausländischen Entwicklungshilfe-Organisation. 0307IMG_8244webDie entstandenen Wasserzugänge sind aber recht schnell verwahrlost und inzwischen nicht mehr zu benutzen. Die jetzige Initiative will die Bevölkerung beim Bau der Quellen mit einbeziehen und das Ganze von Anfang an zu „deren“ Angelegenheit machen.

Abends besichtigen wir die örtliche Universität und die dazugehörigen Studentenwohnheime, natürlich streng nach Geschlecht getrennt. Die in Greifswald immer noch vereinzelt üblichen Zwei-Personen-Zimmer werden zumeist als große Zumutung angesehen und führen regelmäßig zu Zwist und Zerwürfnissen. Hier in Mbanza-Ngungu schläft man mitunter zu vierunddreißigst in einem Raum. In den Mädchenschlafsälen müssen sich immer zwei Studentinnen eine schmale Matratze teilen, schlafen also notgedrungen eng aneinander gekuschelt.

0307IMG_8249web

—   Mädchenschlafsaal, Studentenwohnheim der Universität Boma

Wir übernachten (auf getrennten Matratzen, wohlgemerkt) in einem hübschen Kloster am Rande der Stadt. Morgen geht es wieder zurück nach Kinshasa, und dann hoffentlich bald auf nach Inongo, zum Lac Mai-Nodmbe, dem Schwarzwasser-See. Doch vorerst müssen wir Benzin für das Motorboot besorgen, das uns nach Inongo bringen soll. Es kann also noch dauern.

0307IMG_8280web

—   Das Kloster, in dem wir die Nacht verbringen

Tag 18: Arm, aber glücklich?

0307IMG_8751webkinshasaDas Seltsame am Kongo ist: Eigentlich fehlt es an nichts. Kaum ein Land ist derart reich an Rohstoffen und fruchtbaren Böden, alles grünt und blüht, gerade der Niederkongo mutet zuweilen paradiesisch an. Und trotzdem wohnen die meisten Kongolesen in schäbigen Wellblechhütten, haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und nicht genügend Nahrung, um ihre Kinder satt zu bekommen. Gleichzeitig haben viele Kongolesen eine ausgesprochene Vorliebe für Luxus und westliche Statussymbole. Smartphones sind beispielsweise weit verbreitet – gestern  habe ich einen Typen gesehen, der gleich drei davon mit sich herumtrug (mit meinem ollen Nokia-Handy aus dem Jahre 1995 löse ich hier Verwunderung aus). Fahrräder sind allgemein verpönt, weil nicht prestigeträchtig – wer Geld hat, kauft sich ein Auto, wer keins hat, geht eben zu Fuß. Fisch wird gern gegessen und ist auch in Hülle und Fülle vorhanden, wird allerdings aus Südafrika importiert, während die hiesigen Fischbestände fast überhaupt nicht genutzt werden. Auch Milchprodukte sind beliebt, vornehmlich Butter und in Dosen abgefülltes Milchpulver – von Kerrygold, importiert aus Irland.

0307IMG_8127web

—   Blähbauch

Mein Eindruck: Das Streben nach Besitztümern und Luxusgütern ist im Kongo ebenso verbreitet wie in Europa auch (langweilige Nullhypothese, mal wieder). Die weit verbreitete Ansicht, nach der Afrikaner vielleicht ärmer, aber dafür viel glücklicher als „wir Europäer“ seien, ist völliger Humbug. Armut geht weder mit edlem Gemüt noch mit einer Besinnung auf die wesentlichen Dinge im Leben einher. Armut ist einfach nur beschissen. Das Ausmaß an Habgier und materialistischer Grundhaltung, so scheint es, ist schlichtweg unabhängig davon, wie viel Geld einem zur Verfügung steht.

A propos Materialismus: Ironischerweise gibt es auf Lingála kein Wort für haben. Besitz wird, wenn nötig, durch eine Ersatzformulierung ausgedrückt: nazali ya eloko – Ich bin „bei“ einem Gegenstand. Das mag nicht so recht zu der Hypothese passen, nach der die Sprache unser Denken formt.

0307IMG_8128web

—   junge kongolesische Familie

Tag 22: Strom, es gibt Strom!

kinshasaUnd irgendwann, mitten in der Nacht, gehen plötzlich alle Lichter im Haus wieder an. Es gibt Strom (wenn auch nur für zwei Stunden, vermutlich ein Versehen der Stadtwerke).  Ich kann schreiben, mich meiner Umwelt mitteilen! Mir hat das sehr gefehlt in den letzten Tagen. Hier, in unmittelbarer Äquatornähe, geht die Sonne jeden Tag um sechs unter. Sofern kein Strom vorhanden ist, kann man danach nichts, rein gar nichts tun. Nichts lesen, keine Musik hören, keinen Film schauen, nicht spazieren gehen[1], man kann einfach nur darauf hoffen, möglichst bald einzuschlafen. Lucien ist überzeugt davon, dass der kongolesische Kindersegen eng mit den häufigen Stromausfällen zusammenhängt.

0307IMG_8271web

—   Strom!

Man adaptiert erstaunlich schnell an die hohe Skurrilitäts-Dichte auf den Straßen von Kinshasa. Personen, nach denen ich mich in Deutschland vermutlich noch drei Mal umgedreht hätte, sind hier einfach fester Bestandteil des Straßenbilds. Ein Verkehrspolizist oder Parkplatzeinweiser mit geschulterter Kalaschnikow ist eher Regel als Ausnahme (Lucien meint, die Dinger seien fast nie geladen, es geht lediglich darum, ein wenig Eindruck zu schinden). Gestern habe ich einen Soldaten gesehen, der auf der einen Seite ein Maschinengewehr, auf der anderen Seite eine schwarz glänzende Lack-Damenhandtasche trug.

Aber auch Zivilpersonen geben hier modisch einiges her. Einerseits sind traditionelle Gewänder recht verbreitet, häufig aus grellbunten Stoffen geschneidert[2].  Andererseits entstammen viele Outfits recht offensichtlich deutschen Altkleidertonnen. Häufig sieht man beispielsweise Sprüche-T-Shirts, wie man sie zuweilen deutschen Geschenkartikelläden sichtet („Bier formte diesen wunderbaren Körper!“), zudem Oberbekleidung, deren Motiv eindeutig an Aktualität eingebüßt hat („Tokio Hotel“, „Fuck Bush“, „Junggesellenabschied 2002 – Matze“). Auch diese grässlichen Weihnachtsmannmützen mit rotem Zipfel und weißer Bommel sind alljährig beliebt. Zudem habe ich schon mehrere Kongolesen mit Black-Metal-T-Shirt gesehen. Hat die Szene in Afrika eine so treue Fangemeinde? Oder hat einfach eine überforderte europäische Mutti die Kluft ihres missratenen Sohns im Container der Heilsarmee versenkt?

 


[1] Zumindest in Kinshasa eher eine schlechte Idee. Man munkelt von einer Macheten-Mafia, die nachts unbescholtene Passanten mit riesigen Buschmessern in Stücke schneidet. Also lieber zu Hause bleiben.

[2] Auch mir wurde ein solches versprochen (von einer Schneiderin mit dem schönen Namen Magie, betont auf der zweiten Silbe), und ich hoffe inständig, dafür noch diesen einen Stoff auftreiben zu können, der über und über mit dem Konterfei von Papst Franziskus bedruckt ist.

Tag 23: Zwischenmenschliche Befindlichkeiten, kongolesische Variante.

kinshasaBlandine
hat es sich zu einer Herzensangelegenheit gemacht, mich während meines Aufenthalts anständig zu ernähren. Zu Beginn unseres Besuchs habe ich nicht verstanden, wie ernst es ihr damit ist. Für sie gibt es nichts Beschämenderes als die Vorstellung, ich könnte bei meiner Rückkehr nach Deutschland magerer sein als bei meiner Ankunft. Nun bin ich in Deutschland ja hinlänglich als guter Esser bekannt, und auch hier stopfe ich unbekümmert alles in mich rein, was mir vorgesetzt wird. Nur: Es reicht nicht. Zum Frühstück gibt es beispielsweise eine üppige Portion frittierte Kochbananen und Papaya mit Zitronensaft. Nach Ansicht meiner Gastmutter ist das jedoch keine Mahlzeit, sondern bestenfalls ein Zwischendurch-Snack; sie kann partout nicht verstehen, wie man derart mangelernährt das Haus verlassen kann. Beim gestrigen Abendbrot war sie ernstlich geknickt, weil ich auf meinen Fisch verzichtet hatte (mir war schlichtweg nicht danach). Ausgeschimpft wurde aber nicht ich – die Schelte bekam Lucien ab, der sich ihrer Meinung nach nicht genug um meine Ernährung kümmere.

0307IMG_8331web

—   “Und davon willst du satt werden?”


 

Lucien
steht unter der Fuchtel seiner Schwestern, und er hat viele davon, unübersichtlich viele[1]. Und alle sind um mein Seelenheil besorgt und setzen durch, was auch immer sie für nötig erachten, um ebenjenes zu sichern. In den letzten Tagen wurde mir beispielsweise Ruhe verordnet, ich hatte zu Hause zu bleiben und mich zu entspannen. Da nützte auch alles Betteln Lucien gegenüber nicht („Mir ist langweilig, ich will etwas unternehmen!“), er hatte da ohnehin nichts mitzureden. So dickköpfig Lucien auch sein kann – seinen Schwestern ist er gnadenlos unterlegen.

0307IMG_8967web

—   Am Abendbrottisch: Links Lucien, rechts seine Schwester Anita, im Hintergrund die Kinder

 

Theo
hat genug davon, auf den Straßen Kinshasas überall als die große Zirkusattraktion angesehen zu werden. Wo ich auch hinkomme, wird begeistert „mondele, mondele!“ gerufen, mein Verhalten wird aufs Genaueste beobachtet und diskutiert, und manchmal stimmen die Jugendlichen Gesänge an. Vor ein paar Tagen kam ein junger Kongolese, vielleicht um die zwanzig, auf mich zu, strich mir durchs Haar und strahlte übers ganze Gesicht. Aber sicher, die meinen das alles nicht böse, sie freuen sich einfach – viele von ihnen haben schlichtweg noch nie in ihrem Leben ein Bleichgesicht gesehen. Das weiß ich ja alles. Und sofern ich gut gelaunt bin, stört mich das alles auch nicht weiter. Wenn ich aber bereits den ganzen Tag bei drückender Hitze durch die Stadt gehechtet bin, wird es mir mitunter schlichtweg zu viel und ich werde wütend.

 


[1] Dazu trägt sicher auch die Tatsache bei, dass im Kongo auch die Kinder der Onkel und Tanten als Geschwister angesehen werden. Auf Lingála gibt es beispielsweise keinen sprachlichen Unterschied zwischen „Schwester“ und „Cousine“. Tatsächlich gilt es als Beleidigung, eine Cousine nicht als Schwester zu bezeichnen.

Tag 24: Geister, Dämonen, Hexenkinder

kinshasaIch als Seelenfänger: Gestern Abend auf dem Heimweg habe ich versehentlich ein Grüppchen entgegenkommender Passanten „geschnitten“, indem meinen Weg durch die Mitte der Gruppe nahm. Mir wurde ärgerlich hinterhergeschimpft: „Kannst du nicht aufpassen, mondele?“. Im Kongo bringt es nämlich Unglück, Menschengruppen zu schneiden, weil man damit ein Stück ihrer Aura abtrennt.

Und auch sonst kursieren hier die wildesten Geschichten; Übernatürliches, Wundersames, Unerklärliches. Im Niederkongo sind wir beispielsweise an einem Berg vorbeigefahren, auf dessen Spitze ein gigantischer Stein thronte. Zu diesem wird sich in der Gegend die folgende Geschichte erzählt: Vor ein paar Jahren wären Europäer in die Gegend gekommen, hätten den Felsbrocken ins Tal transportiert und ihn in viele kleine Stücke zerlegt. Doch am nächsten Morgen sei der Stein wieder auf der Bergspitze gewesen, unzerteilt, als wäre nichts geschehen. Die Bewohner der Gegend sind überzeugt, dass es sich genau so abgespielt hätte. Als Lucien Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte anmeldete, wurden sie regelrecht verärgert.

0307IMG_8125web

 

In Kinshasa werden gibt es haufenweise Straßenkinder. Die meisten wurden von ihren eigenen Eltern ausgestoßen, mit der Begründung, sie wären besessen und würden ihre Umgebung verzaubern[1]. Häufig wollten die Eltern ihre Kinder schlichtweg loswerden (etwa, wenn eine geschiedene Frau eine neue Beziehung eingeht und der neue Mann sich an den Kindern aus der ersten Ehe stört).

Gestern haben wir in der Stadt eine ganze Gruppe von ihnen gesehen. Sie ziehen durch die Gegend und betteln. Wenn sie etwas verdienen, müssen sie das Geld zumeist an die älteren Kinder abtreten. Sie fragten uns, ob wir ihnen nicht irgendetwas geben könnten. In unserer Verlegenheit kauften wir in einem Restaurant mehrere Rühreier, gebratenen Fisch und kuanga, setzten uns mit ihnen an den Straßenrand und warteten so lang, bis sie alles aufgegessen hatten. Eines der Straßenkinder fragte Lucien daraufhin, ob er nicht zufällig sein Vater sei.

 


[1] Der Glaube an diese „Hexenkinder“ (enfants sorciers) ist vor allem in Kirchen der Erweckungsbewegung weit verbreitet, einige Sekten bieten zu horrenden Preisen Exorzismen an, um die Kinder von ihrer Besessenheit zu befreien.