Tag 42: Güteraustausch

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—   Zuckerrohr und Machete

kinshasaIch packe meinen Koffer und nehme mit: Unmengen Kochbananen und Zuckerrohr. Fünf Obama-Tüten und ein paar kongolesische Francs (mir würde sonst niemand glauben, das Geld tatsächlich so aussehen kann[1]). Für meine Freundin: Ein handgenähtes Kleid von Magie, einer Ex-Nonne, die nach einem Streit mit ihrer Oberin aus dem Kloster geflogen ist und sich seither als Schneiderin verdingt. Magies sehnlichster Wunsch ist eine elektrische Nähmaschine. Bei meinem nächsten Besuch werde ich ihr eine mitbringen. Und dann noch: eine wuchtige Machete, die nur mit Ach und Krach in meinen Rucksack passt. „Nur Bücher!“, antwortet Lucien dem Sicherheitsbeamten am Check-In, der sich nach dem Inhalt meines Gepäcks erkundigt. Der nickt und lässt mich passieren.

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—   50 kongolesische Francs, etwa vier Cent. Unbeschreiblich, dieser intensive Geruch nach Irrsal und Wirrsal. Ich muss an dem Schein nur kurz riechen, schon wähne ich mich wieder in den Straßen Kinshasas

Ich frage die Kinder, was ich ihnen bei meinem nächsten Besuch mitbringen soll. Die kleine Sarah möchte eine Halskette, die große Sarah eine Deutschlandkarte. Olivier will ein Handy. Vanessa fragt mich, ob ich ihr einen Fotoapparat mitbringen kann. Oder vielleicht einen Computer? Kann ich mir nicht leisten, sage ich. Dann eben auch so eine Kette. Ihre Zwillingsschwester Benedicte gibt sich bescheiden: Ein Foto von meiner Verlobten, sagt sie, würde ihr völlig reichen.

 


[1] Das kongolesische Münzgeld ist schon seit Jahren nichts mehr wert, es gibt ausschließlich Scheine. Die sind so schmutzig und zerfleddert, dass sie mitunter kaum noch als solches zu erkennen sind. Wenn es um europäisches Geld geht, ist man im Kongo hingegen äußerst pingelig: Euro-Scheine werden nur in tadellosem Zustand akzeptiert, schon beim kleinsten Riss wird die Annahme verweigert.