Tag 43: Der Ingwersaft des Grauens

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—   Abschied nehmen von Lucien und seiner Familie.


kinshasaAbreisetag. Noch ein letztes Mal esse ich mit Lucien und seiner Familie. Wir bekochen uns gegenseitig: Blandine serviert Hähnchen mit Reis, pürierten Kochbananen, pondu und fufu, ich Eierkuchen mit Nutella und Bananenwürfeln (diesmal gelingt mein Kochvorhaben wesentlich besser als vor einigen Tagen, als ich mich an thüringischen Knödeln versuchte). Dazu gibt es frisch gepressten Ingwersaft, so scharf, das mir von einem kleinen Schluck die Tränen in die Augen schießen. Lucien drängt: Der Flug geht bald, du musst dich beeilen! Also stürze ich unbekümmert das ganze Glas auf einmal in mich hinein, schultere meinen Rucksack, verabschiede mich und mache mich zusammen mit Lucien auf den Weg.

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—   Nicht im Bild: das folgenschwere Glas Ingwersaft

Eine halbe Stunde später macht sich der Ingwersaft bemerkbar. Die ganze Reise über war ich bester Gesundheit – doch gerade jetzt, wo ich es am wenigsten gebrauchen kann, überkommen mich heftige Bauchschmerzen. Es rumort, es rumpelt und zuckt in meinen Eingeweiden. Wir stecken mitten im Stau, kein Klo weit und breit. Zudem haben wir kaum noch Zeit bis zum Abflug, also setzen wir unseren Weg zum Flughafen notgedrungen zu Fuß fort, mitten durch das Tohuwabohu auf den Straßen Kinshasas. Ich bin kaum noch zugegen, halte mich an Luciens Schultern fest und lasse mich so durch die Stadt schleifen.

Zwei Stunden später haben wir es geschafft. Wir zahlen zweitausend Francs Soldatentrinkgeld und  fünfzig Dollar Flughafen-Nutzungsgebühr, dann lässt man mich zu meinem Flieger. Vor dem Abflug wird das Innere der Maschine mit Insektenvernichtungsmitteln vollgesprüht, um keine Krankheitserreger nach Deutschland zu schleppen. Tatsächlich gab es in Frankfurt und Berlin bereits die ersten Fälle von Malaria – bei Menschen, die noch nie in ihrem Leben in den Tropen waren.

Auf dem Rückflug obligatorisches „Wie klein doch die Welt ist“-Erlebnis: Neben mir sitzt ein Missionars-Ehepaar, zwei Zeugen Jehovas, die in Kinshasa in einem der Königreichssäle arbeiten. Sie kommen aus Oberfranken, nur unweit von meinem Geburtsort entfernt. Auch mein Heimatdorf kennen sie. Da wären sie früher jedes Wochenende gewesen, erzählen sie. Um im Globus-Markt einzukaufen. Den Rest des Flugs unterhalten wir uns über Seuchen, Kriege, Dämonen und das Ende der Welt.