Tag 1: Tagediebe im Bahnhofs-McDonald’s

berlinDas McDonald’s-Restaurant am Berliner Hauptbahnhof ist voll mit Drückebergern wie uns. An fast allen Tischen sieht man schlafende Gestalten, teilweise in bizarre Haltungen verkrümmt. Eine Frau hatte sich zum Schlafen vornüber in ihre offenen Hände fallen lassen. Sie sieht aus, als würde sie in ihre leere Los-Wochos-Burgerschachtel weinen. Lucien hat die theoretisch mögliche Gepäckobergrenze bis zum Maximum ausgereizt. Die Filiale ist zugestellt mit seinen gigantischen Dreißig-Kilo-Paketen, in denen Teile der Solaranlage schlummern. Zudem: hunderte von Zahnbürsten und Zahnpastatuben, die – ähnlich wie Kugelschreiber – als universelles Zahlungs- und Bestechungsmittel akzeptiert werden.

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—   Gepäckwust, McDonald’s, Hauptbahnhof Berlin

Lucien bringt mir meine ersten Vokabeln in Lingála bei. Statt „Wie geht es dir?“ fragt man sein Gegenüber schlichtweg: „Welche Nachrichten?“ (sango nini?). Die übliche Antwort darauf lautet sango te – keine Nachrichten. Auch der Rest ist nicht wirklich schwer. makemba nani? makemba ya ngai! (wörtlich: Banane welche?“ -  „Banane von ich!“). Allerdings bin ich inzwischen zerknittert, gnatschig und nur noch begrenzt aufnahmebereit. Den Flug nach Brüssel verbringe ich in Autopilot-Modus. Die überlebenswichtigen Vitalfunktionen laufen weiter, alle weiteren Anforderungen aus der Reizumwelt erlebe ich als Zumutung. Ich sehne mich nach Zahnbürste, Dusche und Bett. Tsss, wenn das jetzt schon anfängt mit den Erste-Welt-Problemen!