Tag 7: Olga, ein ganzer Kerl

kinshasaOft sind es die kleinen Details, die mir hier das Gefühl geben, in einer anderen Welt zu sein. Morgens kräht der Hahn, aber er kräht anders. Es ist kein Kikeriki, sondern ein dumpfer Gurgellaut, der mich jedes Mal aufs Neue verstört. Irgendjemand hat den Mond verkehrtherum am Himmel aufgehängt. Fanta schmeckt hier völlig anders, eher nach aufgelöster Vitamin-C-Brausetablette als nach Orangenlimonade. Und der Straßenverkehr! Die Autos fahren hier zwar auf der rechten Straßenseite, nichtsdestotrotz hat die Hälfte der Autos das Steuer rechts, was aber von niemandem als großes Hindernis betrachtet wird. Als Busse dienen zumeist ausrangierte Kleintransporter aus Deutschland, mit Aufschriften wie „Elektro-Reichelt – Ihr starker Partner aus Memmingen“ oder „CARITAS Behinderten-Transport“, in denen dann ohne Weiteres mehr als zwanzig Kongolesen Platz finden. Und wenn im Wagen kein Platz ist, hängt man sich eben an die Wagentüren. In Kinshasa nennt man diese Art Bus auch L’esprit de mort.

Vor ein paar Tagen waren wir im lola ya bonobo („Bonobo-Paradies“), einem wunderbaren Affen-Wildpark etwas abseits der Stadt. Es war regelrechte Oase im Gegensatz zum dreckigen und lauten Kinshasa. Die Bonobos selbst hielten sich übrigens streng an ihr Motto: „Make love, not war!“. Nach jeder noch so kleinen Streitigkeit, und sei es auch nur um eine Banane, gab es ein paar Sekunden Versöhnungssex, und zwar geschlechtsunabhängig.

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  —   Im "lola ya bonobo"

—   Im “lola ya bonobo”

Wir hatten einen Chauffeur, der uns in die Nähe des Wildparks fuhr. Es war ein stämmiger, junger Kongolese. Zum Schutz gegen die Sonne hatte er eine Fischermütze auf, unter die er sich rechts und links zwei Lappen geschoben hatte, die seine Ohren bedeckten. Er hieß Olga. Das sei der Name der Hebamme seiner Mutter gewesen, erzählt er. Und da diese so nett gewesen sei, habe sich seine Mutter entschlossen, das Kind nach ihr zu benennen – egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.