Tag 8: Mondele, Mondele!

kinshasaFirst world problems: Als Weißer falle ich überall sofort auf, ob ich will oder nicht. Wo ich auch hinkomme, das Geschehen verändert sich allein durch meine Anwesenheit. Manchmal würde ich das Treiben in der Stadt gern beobachten, ohne dabei so viel Bohei auszulösen, aber mit meiner hellen Haut bin ich hier sofort eine Kuriosität. „mondele, mondele!“ (ein Weißer, ein Weißer!), schreien die Kinder, wenn wir mit unserem Geländewagen durch die Dörfer rauschen. Irgendwie ist das ja auch verständlich.

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—   Doppelter Preis, sobald ich dabei bin

Wenn etwas eingekauft werden soll, bleibe ich lieber im Wagen, da die Händler die Preise prompt verdoppeln, wenn sie mich, den reichen Europäer, sehen. Die katholischen Ordensschwestern, die wir von Zeit zu Zeit besuchen, haben es ebenfalls auf mich abgesehen – sie streicheln mich ständig am Arm und überhäufen mich mit Komplimenten, bis ich rot anlaufe. Gestern Abend sind wir durch das Viertel gegangen, als plötzlich zwei dreizehnjährige Mädchen auf mich aufmerksam wurden. Sie lächelten verschämt und begrüßten mich: „Bonjour, Monsieur le Blanc!“. Als ich ein Stück weitergegangen war, tuschelten sie sich zu: „Oh, il est beau!“. Lucien erzählte, dass die beiden am nächsten Abend an derselben Stelle warteten und darauf hofften, mir vielleicht noch einmal zu begegnen.