Tag 26: Heimatkunde

kinshasaBlandine kann ein wenig deutsch. Ihr Lieblingswort ist Knödel. Überhaupt liebt sie Knödel über alles, seit Lucien ihr einmal eine Packung Fertigpulver aus Deutschland mitgebracht hat. Auch dieses Mal will meine Gastmutter unbedingt wieder Knödel essen. Da weder Lucien noch ich an Knödelfertigpulver gedacht haben, bleibt mir nichts anderes übrig, als es auf die gute, alte Hausfrauenart zu versuchen. Ich bin bei Weitem kein Fachmann in Sachen Knödelzubereitung, das traditionelle Rezept kenne ich eigentlich nur vom Hörensagen. Zum Wohle der deutsch-kongolesischen Völkerverständigung mache ich mich aber gemeinsam mit Blandine daran, meine Wissenslücke zu stopfen.

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—   Meine Gastmutter Blandine bei der Knödelzubereitung

Kartoffeln sind im Kongo fast unbekannt. Nach langer Suche finden wir irgendwo auf dem Markt einen Stand, der tatsächlich welche verkauft. Es sind verschrumpelte, kleine Dinger, importiert aus Goma, für vier Stück werden fast zwei Euro verlangt. Wir kaufen zwei Kilo davon und verarbeiten sie streng nach dem thüringischen Rezept „halb-halb“: Ein Kilo wird gekocht und zu einem dünnen Kartoffelbrei verarbeitet, die andere Hälfte geraspelt und ausgewrungen. Ich quetsche und quetsche, doch für Blandines Geschmack nicht stark genug. Sie nimmt mir das mit Kartoffelpampe gefüllte Stofftuch aus der Hand und quetscht auf ihre Weise. Das Stofftuch reißt in zwei Hälften und die Kartoffelraspeln rieseln zu Boden.

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Wir schütten den ausgequetschten Kartoffelsaft in ein Gefäß und warten geduldig darauf, dass sich die Stärke absetzt. Nach mehreren Stunden des Wartens betrachten wir unsere traurige Ausbeute: ein, höchstens zwei Teelöffel weißer Schmodder. Es waren wohl festkochende Kartoffeln. Was, wenn die Knödel beim Kochen einfach auseinanderfallen? Sicherheitshalber fügen wir noch zwei Eier zu der Knödelpampe hinzu.

Der Teig ist so klebrig, dass es fast unmöglich ist, ihn zu gescheiten Knödelbällchen zu verarbeiten. Wir schmeißen die unförmigen Klumpatsche in den Topf und warten geduldig. Nach einer halben Stunde haben wir die Nase voll und fischen die Dinger wieder aus dem Wasser. Sie sind etwas wärmer als vorher, haben sich aber sonst nicht merklich verändert. Es sind schleimige, salzige und rohe Batzen, die mit den thüringischen Knödeln nicht das Geringste gemeinsam haben. Blandine und die Kinder essen trotzdem brav alles auf. Bei meinem nächsten Besuch, so schwöre ich mir, bringe ich Kloßteigmasse aus Deutschland mit.

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—   Sieht besser aus, als es schmeckt