Tag 28: Hejo, spann den Wagen an

kinshasaGestern besuchten wir einen Fischermarkt am Hafen. Auf alten Kartons und Kisten drapiert, lagen die Fischstücke in der Sonne. Es stank bestialisch. Um die Fliegen zu vertreiben, hauten die Händlerinnen von Zeit zu Zeit mit einem kleinen Stöcklein auf ihre Ware. An anderen Ständen wurde der Fisch noch lebend verkauft. Es handelte sich um armlange Tiere mit gedrungenem Körperbau, dunkel und schleimig, mit antennenartigen Fühlern und einem riesigen Schlund. Die Tiere wurden zu sechst oder siebt in runden Plastikschüsseln aufbewahrt, zappelten und zuckten dort ein wenig vor sich hin und warteten auf ihren bevorstehenden Tod. Lucien kaufte fünf von ihnen. Sie wurden uns lebend in einer Plastiktüte mitgegeben, mit der wir dann zu einem separaten Schlachterstand gingen.

Ein vielleicht zwölfjähriger Junge drosch mit einer Eisenstange so lang auf die Fische ein, bis sie sich nicht mehr rührten. Anschließend nahm er die Fische aus und zerteilte sie, wobei er das völlig stumpfe Messer mit einem Hammer durch das Fleisch des Tieres trieb. Mit einer Zehn-Kilo-Tüte Fisch schleppten wir uns nach Hause.

Meine Hautfarbe sorgte mal wieder für Verwirrung. Auf dem Markt riefen mir die Kinder „chinois, chinois!“ hinterher. Wenn sie hier helle Haut zu sehen bekommen, dann zumeist von Chinesen, die hier viel im Straßenbau beschäftigt sind[1]. Sie bestehen darauf, von den Kongolesen als „mondele“ betitelt zu werden, weil diese Bezeichnung hier als besonders prestigeträchtig gilt. Auch viele junge Kongolesinnen bemühen sich verzweifelt um einen „europäischen“ Look. Das Resultat sieht gruselig aus: Fleckige, latte-macchiato-farbene Haut[2], dazu halbherzig blondiertes krauses Haar und quietschend pinke, viel zu enge Kleidung.

Benedicte, Vanessa, Olivier und Sarah können wunderschön singen. Vor ein paar Tagen veranstalteten wir einen kleinen Gesangswettbewerb. Drei Sängerduos traten gegeneinander an. Die Kinder sangen französische Kirchenlieder in mehrstimmigen Sätzen, mussten dabei aber so stark lachen, dass sie ständig wieder von vorn anfingen. Lucien und ich versuchten uns derweil an dem Kanon „Hejo, spann den Wagen an“. Der erste und zweite Platz ging an die Kinder (es gab Hefter und Buntstifte), Lucien und ich mussten uns mit dem dritten Platz begnügen.

0307IMG_8576web

—   Das Gewinnerteam

 

 


[1] Ein Deal mit der kongolesischen Regierung: Sie bessern die Straßen aus und dürfen dafür kostenlos Kupfer abbauen – in unverhältnismäßig großen Mengen.

[2] Als afrikanisches Pendant zu den in Europa erhältlichen Bräunungscremes gibt es hier Salben, mit deren Hilfe sich die Kongolesen ihre dunkle Haut aufhellen können. Wer einmal damit angefangen hat, darf aber nicht mehr aufhören, sich damit einzuschmieren, sonst wird er noch schwärzer, als er am Anfang war.