Tag 31: Aufbruch!

0307IMG_8675webbandunduEs wird Zeit, Kinshasa zu verlassen. Endlich geht es nach Inongo! Das erste Wegstück legen wir in einem abgetakelten alten Reisebus zurück, der uns nach Bandundu, einer größeren Stadt nordöstlich von Kinshasa, bringen soll. Unser Gepäck: Zwei Koffer, zwei Rucksäcke, ein Plastikeimer voller Proviant (von Blandine zusammengestellt. Ausschließlich Frittiertes: Krapfen, Fisch, Kochbananen, Hähnchen) und mehrere Kanister Öl für das Motorboot. Die anderen Passagiere haben ähnlich viel Gepäck mit, sodass der ganze Bus mit Taschen, Kartons, Plastikschüsseln und Töpfen zugestellt ist. Wir fahren nachts. Viele der Reisenden haben sich auf ihre Gepäckstücke gelegt und schlafen. Ich komme jedoch nicht so recht zur Ruhe – ich habe Angst, mein Rucksack (oder gar ich selbst?) könnte aus der Bustür fallen. Die steht nämlich die ganze Fahrt über offen – warum auch immer.

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—   Lucien mit Provianteimer und staubiger Brille

Am Anfang Asphalt. Die erste Hälfte des Wegs vergeht schnell und ruckelfrei. Irgendwann hört der Straßenbelag jedoch abrupt auf – nur noch Sand und Steine. Von nun an geht es äußerst holprig voran, wir wackeln und holpern, fliegen zuweilen gegen die Scheiben und atmen jede Menge Staub ein. Um fünf kommen wir in Bandundu an. Es wird hell, und wir erkennen, wie schmutzig wir sind: Mein ursprünglich weißes T-Shirt hat nun einen blassen Rotton angenommen. Aus meinen Haaren wirbelt der Staub, sobald ich mit dem Kopf schüttle. Und meine schon sonnenbedingt gebräunte Haut ist noch dunkler geworden (keine Veränderung bei Lucien).

Die nächste Teilstrecke legen wir in einem ausrangierten Kleintransporter zurück. Nach drei Fahrtstunden kommen wir an ein Flussufer. Die Straße geht auf der anderen Seite weiter, doch es gibt keine Brücke, nur eine Fähre. Ohne Fährmann, allerdings. Der ist noch in Bandundu, bei irgendeinem Fährmanns-Treffen. Also warten wir. Irgendwann abends kommt er dann doch noch und setzt uns auf die andere Seite. Im Dunkeln setzen wir unsere Fahrt fort. Der Receveur[1] muss alle drei Minuten aussteigen, um den Fahrer über einen Hügel oder ein Schlagloch zu lotsen. Irgendwann spätnachts endet unsere aufhaltsame Odyssee durch das kongolesische Hinterland: wir erreichen Isaka.

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—   Fähre ohne Fährmann


 

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—   Unser Nachtlager

 


[1] So wird derjenige genannt, der bei Busfahrten das Geld von den Passagieren eintreibt. Üblicherweise wird dieser Job von Jugendlichen um die fünfzehn erledigt. Um den Fahrgästen keinen Sitzplatz wegzunehmen, hält sich der Receveur während der Fahrt außen am Wagen fest.