Tag 32: Warten.

0307IMG_8625webisakaWenn ich hier eines lernen kann, dann ist es Gemütsruhe. Da ich schon in Deutschland als grässlich ungeduldiger Mensch gelte, ist der Kongo für mich das ideale Trainingslager. Täglich bieten sich unzählige Gelegenheiten, die Beine auszustrecken und mich im unbekümmerten Nichtstun zu üben: Ein Polizist verschwindet für eine halbe Stunde mit meinem Personalausweis, um mich irgendwo zu registrieren. Wir müssen noch jemanden mitnehmen, der aber im Stau steckt, weil er noch etwas aus der Stadt besorgen musste. Der Busfahrer hält plötzlich an, steigt aus und hält einen kleinen Plausch mit einer Marktfrau am Wegesrand. Ein großer Teil meines Tagewerks besteht hier darin, auf das Eintreffen irgendwelcher fremdbestimmter Ereignisse zu warten. Heute ist es zum Beispiel das Motorboot, das aus Inongo kommen und uns abholen soll: Irgendwie stimmt die Wetterlage nicht, die Wellen sind zu hoch, also verbringen wir den Tag in Isaka und warten auf morgen.

0307IMG_8688webIsaka ist ruhig und idyllisch, ganz anders als Kinshasa: Kein Lärm, kein Staub, keine zugemüllten Straßen. Nur ein paar kleine Lehmhütten mit Blätterdach und Palmen am Wegesrand. Isaka entspricht der ungetrübten Bilderbuchvorstellung von Afrika. Die Dorfkinder sind ganz aus dem Häuschen über meinen Besuch: Alle wollen mir die Hand schütteln, meine weiße Haut berühren oder durch meine lustigen Haare streichen. Wo Lucien und ich auch hingehen, stets folgt uns unzählige Kinder auf Schritt und Tritt. Und alle wollen fotografiert werden: Sobald ich meine Kamera aus der Tasche hole, jubeln sie und wuseln wild durcheinander, jeder will unbedingt einen Platz auf dem Bild haben[1]. Wenn es blitzt, kreischen sie vor Begeisterung (einige jüngere Kinder kriegen es allerdings mit der Angst zu tun und rennen davon).

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—   Eine dreifache Mutter wollte ihr nächstes Kind nach mir benennen und bat mich, meinen Namen an die Wand ihrer Hütte zu schreiben. Inklusive der weiblichen Form. Falls es ein Mädchen wird.

 

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—   So sahen übrigens die Klos aus

 


[1] Ganz anders in Kinshasa: Dort ist es auf offener Straße fast unmöglich, ein Foto zu schießen. Für Polizisten und Soldaten ist das der ideale Vorwand, um jemandem Geld abzuknöpfen. Doch auch unter den Zivilisten ist Fotografieren verpönt. Meine Vorgängerin Juliane wurde einmal bei dem Versuch, ein Foto zu machen, von wütenden Passanten festgehalten. Sie musste hundert Dollar zahlen, sonst hätte man ihre Kamera zerstört.