Tag 37: Stelldichein mit den Aspirantinnen

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inongoLetzter Tag vor unserer Rückreise nach Kinshasa. Wir sind zu Gast bei einer italienisch-kongolesischen Gruppe Aspirantinnen – Anwärterinnen für das Kloster. Über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren werden sie von ihrer Vorgesetzten beobachtet und dann je nach Betragen abgelehnt oder in den Orden aufgenommen. Wir sind bei ihnen zum Essen eingeladen, es gibt Fisch mit Reis und einem interessanten grünen Gemüsebrei namens Matembele. Während des Essens läuft der Fernseher, eine Comedyserie[1] mit einem schwarzen Liliputaner in der Hauptrolle. Die musikalische Untermalung besteht aus einer zehnsekündigen Keyboardmelodie, die den ganzen Film über in Endlosschleife wiederholt wird. Die Aspirantinnen kichern unentwegt, was aber auch an meinem Besuch liegen könnte, über den sie sich sichtlich freuen. Sobald die Oberin das Zimmer verlässt, fangen sie an, schamlos mit mir zu flirten. Immerhin – nach all den Wochen der Liebesentbehrung eine nette Abwechslung.

Der kongolesische Humor scheint irgendwie anders zu ticken. Als ich meiner Gastmutter beispielsweise erzählte, dass ich mir in Ermangelung sauberer T-Shirts gestern eines mit der Hand in der Badewanne gewaschen hätte, hielt sie sich den Bauch vor lachen. Lucien hatte mir erzählt, im Kongo würde man häufig auch als Reaktion auf die misslichen oder tragischen Umstände seiner Mitmenschen lachen. Ich konnte mir das nie so recht vorstellen – bis zu dem Tag, an dem wir den an Lungenkrebs erkrankten Ordensbruder im Krankenhaus besuchten. Angesichts der Ausweglosigkeit der Situation brach eine anwesende Nonne in schallendes Gelächter aus.

 


[1] Speziell auf das afrikanische Publikum zugeschnittene Filme und Serien werden hier in Anlehnung an Holly- oder Bollywood als Nollywood-Produktionen bezeichnet.